Der Morgen am Wasserloch Cubitje Quap gehört für uns zu den eindrücklichsten Erlebnissen im Kgalagadi Transfrontier Park. Bereits von früheren Reisen kannten wir die grossen Schwärme von Tauben, die jeden Morgen zu den Wasserlöchern fliegen. Doch in diesem Jahr war die Zahl der Vögel aussergewöhnlich hoch. Noch nie hatten wir derart viele Tauben in diesem Teil der Kalahari erlebt.

Irgendetwas scheint im Januar 2026 ideale Bedingungen für die Vögel zu schaffen. Vielleicht gab es ausreichend Nahrung oder günstige Brutbedingungen. Möglich ist auch, dass grössere Schwärme in diese Region migriert sind. Für die Falken und Schakale spielt das allerdings keine Rolle – für sie bedeutet es vor allem eines: ein reich gedeckter Tisch.

Oft hatten wir sogar den Eindruck, dass die Räuber mit der Fülle an möglichen Zielen überfordert waren. Viele Jagdversuche endeten erfolglos, weil sich die Tauben in letzter Sekunde retten konnten.
Das Wasserloch Cubitje Quap
Das Wasserloch liegt rund sieben Kilometer nördlich des Nossob Camps und ist besonders bei Tauben beliebt. Rund um das Wasser stehen zahlreiche Bäume und Büsche, die den Vögeln Schutz bieten. Sobald Gefahr droht, flüchten sie sich blitzschnell in die Äste.

Besonders eindrucksvoll sind die Angriffe des Lannerfalken. Seine Geschwindigkeit ist so enorm, dass man ihn oft kaum erkennt. Meist hört man nur ein scharfes Rauschen, als würde ein Samurai sein Schwert durch die Luft ziehen. Für Fotografen und Filmer ist das eine echte Herausforderung.
Der Schakal dagegen jagt langsamer und deutlich berechenbarer – und genau deshalb wurde er schnell zu unserem bevorzugten Motiv.

Der Falke als Spielverderber
Mehrmals fuhren wir noch vor Sonnenaufgang direkt zum Wasserloch, um die ersten Tiere des Tages zu beobachten. Die Tauben versammelten sich zunächst vorsichtig in den umliegenden Bäumen und beobachteten das lebenswichtige Wasser. Es wirkt fast so, als ob sie genau wissen, dass nicht alle diesen Morgen überleben werden.
Irgendwann wagt sich die erste mutige Taube ans Wasser. Kurz darauf folgen zwei weitere, dann vier, acht und immer mehr. Innerhalb weniger Sekunden füllt sich das Wasserloch mit hektischem Flattern und dichtem Gedränge.
Doch plötzlich explodiert die Szene. Der gesamte Schwarm schiesst panisch zurück in die Bäume. Irgendwo muss der Falke angegriffen haben.

Danach beginnt für uns das Warten erneut. Oft dauert es zehn bis zwanzig Minuten, bis sich die nächste Taube wieder ans Wasser traut.
Der Schakal als geschickter Jäger
Sobald genügend Vögel trinken, startet der Schakal seinen Angriff. Mit überraschender Geschwindigkeit schiesst er mitten in die Vogelmenge und versucht, mit seinen scharfen Zähnen eine Taube zu packen. Gelingt ihm der Fang, bleibt kaum etwas übrig – Haut, Federn und Knochen verschwinden in kürzester Zeit.

Zwischen acht und neun Uhr verändert sich die Szenerie langsam. Die Zahl der Tauben nimmt ab und die Namaqua-Flughühner treffen ein. Nach Flügen von bis zu dreissig Kilometern erreichen auch sie das Wasserloch.


Natürlich interessieren sich Falken und Schakale ebenso für diese Vögel. Die Jagd geht weiter – nur die Akteure wechseln.

Spätestens gegen zehn Uhr ist das morgendliche Schauspiel vorbei. Die Sonne steht nun bereits zu hoch für gute Fotos, und die Hitze beginnt spürbar zu werden. Für uns ist das der perfekte Moment, gemütlich zurück ins Camp zu fahren und uns auf einen ausgedehnten Brunch zu freuen.




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