Das Gharagab Wilderness Camp liegt ganz im Norden des KTP (Kgalagadi Transfrontier Park). Die vier Chalets stehen auf einer Kalahari-Düne mit traumhaftem Blick in die Wildnis. Eine Löwengruppe wird regelmässig am Wasserloch unterhalb der Chalets gesichtet. Unser Wunsch, diese Löwen zu sehen, wurde nicht nur erfüllt, sondern es sollte noch besser werden.

Die Löwen sind vor uns da
Nach einer anstrengenden Fahrt bei Temperaturen um die 40°C sind wir froh, als wir um 16:15 Uhr das Gharagab Wilderness Camp erreichen. Eric, der Camp Ranger begrüsst uns freundlich und weist uns Chalet Nr. 4 zu. Das könnten wir aber im Moment nicht beziehen, da die Treppe durch eine Löwin besetzt sei.

Ok, deswegen sind wir ja hier, um Wildlife zu erleben. Wir warten also im Auto und machen Fotos. Der Toyota Hilux heizt sich immer mehr auf und wir würden lieber auf der Terrasse im Wind sitzen und ein kühles Bier oder Savanna trinken, statt im Auto zu schwitzen. Nachdem es immer heisser wird, beschliessen wir, die Löwin zu vertreiben. Es stellt sich heraus, dass drei Löwen unser Chalet blockieren. Erst später sollten wir sehen, dass insgesamt sechs Löwen bei der Treppe und in den Büschen um das Chalet herum geschlafen haben.

Ich fahre mit dem Hilux auf die Löwin zu, um sie zu erschrecken. Das funktioniert tatsächlich und sie zieht sich zurück, um dann gleich wieder ihren Platz im Schatten einzunehmen. Somit ist es also klar, wer hier der Platzhirsch ist, bzw. die Platzlöwin.
Nach diesem Fehlversuch fahren wir eine Stunde in der näheren Umgebung herum, da sich Löwen üblicherweise erst bei Sonnenuntergang bewegen und das dauerte noch lange. Als wir von unserem improvisierten Game Drive zurück sind, präsentiert sich die Situation immer noch genau gleich. Wir fahren in die Nähe der Löwen, aber die Katzen quittieren das nur mit Gähnen.

Wir kapitulieren …
Es bleibt uns nichts anderes übrig als zu warten, bis die Löwenfamilie von sich aus entscheidet, das Chalet wieder frei zu geben. Wir stellen uns neben das Chalet Nr. 3, beobachten die Löwen und warten. Es kommen jetzt sogar noch mehr Löwen aus den Büschen. Einer davon setzt sich etwa 15 Meter vor unser Auto und beobachtet was wir machen.
… und beziehen Chalet Nr. 3
Plötzlich werden die Löwen unruhig und strecken die Hälse. Eric, der Camp Ranger steht neben unserem Auto und übergibt uns Chalet Nr. 3, da diese Gäste heute nicht mehr kommen. Wir fragen ihn, ob das denn jetzt gehe, alle unsere Taschen, Lebensmittel (Fleisch!!), Wasserkanister und Fotorucksäcke vom Auto ins Chalet zu transportieren. Immerhin werden wir von fünf Löwen aus nächster Nähe beobachtet. Das gehe schon, meint er, Doris oder ich sollen einfach die Löwen immer im Blick haben. So machen wir das, Doris hält Wache und ich trage das Material ins Chalet. Speziell der männliche Löwe vor unserem Auto ist sehr interessiert am Treiben.

Die Löwen bewegen sich endlich
Um 18:40 Uhr macht sich die erste Löwin auf in Richtung Wasserstelle. Ihr folgen nach und nach die anderen.


Zwei halbstarke Männchen legen sich nach dem Trinken in den Sand beim Wasserloch. Auf einmal schauen sie ganz aufgeregt in unsere Richtung. Fünf Meter neben unserem Chalet läuft eine grosse Löwin in Richtung Wasserstelle. Später erfahren wir von Eric, dass dies die Mutter der beiden halbstarken Männchen ist. Die beiden Jungs rennen ihr freudig entgegen.

In diesem Alter sind die jungen Löwen bald geschlechtsreif. Es ist nicht zu übersehen, dass es sich nicht nur um Kinder-Mutter-Liebe handelt. Vor allem werden die Liebesbezeugungen der Jungen durch die Mutter nur mit Knurren und Zähne fletschen erwidert. Trotzdem versuchen die beiden Teenager-Männchen ihrer Mutter sehr nahe zu sein.

Abschied für die Löwen rückt näher
Für alle jungen Löwen-Männchen kommt einmal der Zeitpunkt, an dem sie das Rudel verlassen müssen, da die Eltern instinktiv keine Inzucht akzeptieren. Für diese Beiden rückt der Zeitpunkt für den Abschied deutlich näher.
Nach Sonnenuntergang verlassen die Löwen das Camp. Von Eric erfahren wir, dass diese Löwen-Gruppe aus acht Tieren besteht: 2 dominante grosse Löwen, die wir leider nicht gesehen haben, 2 Weibchen und 4 Söhne, von denen einer etwas älter ist als die drei anderen. Dieser hatte uns beim Entladen des Autos genau beobachtet.

Die Videos und Fotos zum Gharagab Camp
Doris hat die Gharagab-Löwen-Geschichte gefilmt und auf Youtube veröffentlicht.
Wer wissen möchte, wie schwierig die Ein- und Ausfahrt zum abgelegenen Gharagab Camp zu fahren ist, kann sich das Video Gharagab-In-and-Out anschauen.
Die Fotos sind in der Nossob-Tal-Galerie zu finden.
2 Comments
Hallo, tolle Bilder und sicher ein noch tolleres Erlebnis! Ich habe es mir schon ein paar Mal angeschaut, immer wieder faszinierend. Wir sind 2020 für 2 Nächte ebenfalls dort. Kannst du mir sagen, ob es inzwischen Moskitonetzte gibt bzw. auf verschiedenen Bildern sieht man , dass zwischen dem Kochbereich und den Betten ein eingebautes Netz zum schließen gibt. Existiert irgendetwas davon (noch). Ganz lieben Dank für eine Antwort.
Hallo Marie-Therese
Besten Dank für dein positives Feedback. In Gharagab gibt es keine Moskito-Netze, braucht es auch nicht. In allen Wilderness Camps hatten wir bisher noch nie ein Mückenproblem. Nur in Twee Rivieren, Nossob und Mata Mata gab es Mücken im Januar und Februar (Regenzeit). Zwischen dem Kochbereich und den Betten war im Januar 2019 nichts eingebaut, kein Netz oder Schiebetür.
Insekten waren für uns bisher noch nie ein Problem im Gharagab Camp.
Grüsse Herbert