Es ist 15:00 Uhr am 29. April 2026. Ich sitze in meinem Cottage in Twee Rivieren, draussen beginnt es zu regnen. Soll ich nochmals rausfahren oder im Camp bleiben? Zum Glück entscheide ich mich fürs Rausfahren.
Unterwegs im Auob River Valley
Über die Dünen fahre ich hinüber ins Auob River Tal. Es regnet leicht, die Strasse ist leer, kein einziges Auto unterwegs. Auch Tiere zeigen sich kaum. Die Wolken liegen tief über der Kalahari und das Licht wird immer schwieriger zum Fotografieren. Langsam verliere ich die Hoffnung auf eine besondere Sichtung.
Ein grosser Leopard erscheint auf der Strasse
Gerade als ich ans Umkehren denke, taucht plötzlich ein grosser Leopard auf der Strasse auf. Er kommt direkt auf mich zu. Noch bevor ich die Kamera richtig positionieren kann, verlässt er die Piste und verschwindet in Richtung Düne. Schade – ein Leopard auf der roten Sandstrasse im Regen wäre genau die Szene gewesen, auf die man als Fotograf hofft.

Ich drehe mich wieder zur Strasse zurück – und er steht wieder da. Der Leopard läuft ruhig auf der Piste weiter, völlig entspannt, als gehöre ihm die Welt. Ich fahre langsam hinter ihm her. Kurz darauf bleibt er stehen und setzt auf die Strasse seine Duftmarke. Eine klare Botschaft: Das hier ist sein Revier.

Da ich einen Leoparden lieber von vorne als von hinten fotografiere, überhole ich ihn vorsichtig und ganz langsam. Dabei schaut er mich mit einem Blick an, den ich nie vergessen werde. Kühl, direkt und absolut dominant. In diesem Moment bin ich sehr froh, dass sämtliche Fensterscheiben geschlossen sind.

Von da an fahre ich meist einige Meter voraus und warte, bis er wieder näher kommt. Über eine Stunde begleitet mich dieser prächtige Kater durch das Auob Tal.
Territorialverhalten eines Leoparden in der Kalahari
Später erfahre ich, dass er fünf Tage zuvor einen Oryx (!) bei Rooibrak erlegt hatte. Drei Tage lang hat er rund 40 km nördlich von hier den Oryx bewacht und gefressen. Zurück im südlichen Teil seines Reviers ist sein Verhalten passend, er markiert fast jeden zweiten Busch, schnuppert konzentriert an den Sträuchern und kontrolliert aufmerksam sein Gebiet. Es ist faszinierend zu beobachten, wie selbstbewusst und routiniert sich ein Leopard in seinem Territorium bewegt.

Die ganze Zeit bleibt es ruhig. Kein anderes Fahrzeug stört die Szene.

Wildlife Fotografie im Kgalagadi Transfrontier Park
Erst nach etwa einer Stunde erscheint das erste Auto aus Richtung Twee Rivieren, kurz darauf folgen weitere Fahrzeuge aus dem Norden. Sofort verändert sich die Stimmung. Nicht nur die Bilder leiden darunter – auch der Leopard wirkt aufmerksamer und weniger entspannt.

Gleichzeitig wird das Licht immer schlechter. Dunkle Wolken ziehen über die Dünen, der Regen nimmt wieder zu und ich beschliesse, langsam zurück ins Camp zu fahren.
Unvergessliche Leoparden-Begegnung in der Kalahari
Erst während der gemütlichen Fahrt über die Dünen nach Twee Rivieren wird mir bewusst, wie aussergewöhnlich diese Begegnung war.
Eine Stunde allein mit einem wilden Leopard im Regen der Kalahari.
Solche Momente kann man nicht planen. Genau deshalb fährt man trotzdem los, selbst wenn draussen Regen fällt.

Mehr Bilder gibt es in der Galerie Male Leopard Kgalagadi



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