Am Sonntag, 8. September 2019, erreichen wir um 16:00 Uhr das Gate des Nxai Pan National Park, tragen uns in die grossen Bücher ein und fahren über die Tiefsandpiste zu den Baines Baobabs. Die berühmte Baumgruppe ist nach Thomas Baines benannt, der die Baobabs vor 150 Jahren zum ersten Mal gemalt hat. Das Bild und die heutigen Baobabs sehen immer noch gleich aus. Wie alt sind die Bäume? Ausser den Bäumen weiss das vermutlich niemand so genau, die Schätzungen gehen bis 4‘000 Jahre.

Gin Tonic mit Aussicht
Neben den Baumriesen sehen unsere grossen Autos mickrig aus. Beeindruckt von den fantastischen Bäumen und der Einsamkeit beschliessen wir den Sundowner hier zu geniessen. Gut, dass wir die Küche und den Kühlschrank immer dabeihaben.
Bevor das Tageslicht ganz weg ist, fahren wir die wenigen Kilometer über die Pfanne zur Campsite Nr. 2, zwischen zwei riesigen Baobabs. Obwohl wir den Platz schon kennen, sind Doris und ich wieder fasziniert von diesem stimmungsvollen, extrem einsamen Platz.
Gourmetküche im Busch
Inzwischen haben wir schon eine gewisse Routine entwickelt, wenn wir auf der Campsite ankommen: Dachzelte installieren, Tische und Stühle aufstellen, Taschen- und Stirn-Lampen griffbereit auf den Tisch legen, Feuer machen und dann geht’s los mit kochen. Da ich die Rolle des Sommeliers übernommen hatte, beschränkten sich meine Aufgaben auf den flüssigen Teil des Abendessens und auf das Grillieren. Heute holte ich einen Pinotage aus dem Keller und es gab dazu Penne all’arrabbiata. Ich hatte nicht so viel zu tun, dafür blieb etwas mehr Zeit zum Fotografieren.
Es war immer noch kühl, aber windstill, und wir beschliessen morgen auszuschlafen. Nach den vorangegangenen, sehr windigen Nächten geniessen wir die Ruhe und alle schlafen sehr gut.
Die kälteste Nacht der Reise
Am nächsten Morgen ist es nicht der Wecker, von dem ich wach werde, sondern die Kälte. Der Kopf ist kalt, die Blase drückt, es hilft nichts, ich muss aufstehen. Die Kleider sind wie immer ein Stockwerk tiefer und saukalt. Ich öffne die Heckklappe und die Sonne scheint mir direkt ins Gesicht. Der Thermometer zeigt 5°C, der kälteste Morgen unserer Reise. Von nun an ging es nur noch aufwärts.

Für das Frühstück stellen wir die Tische an die wärmende Sonne und schätzen den heissen Kaffee heute besonders. Nachdem alles abgewaschen und das Schlafzimmer von Sand befreit ist kontrollieren wir noch den Druck des vorderen rechten Reifens beim Auto von Heidi und Barbara. Seit Beginn verliert er schleichend Luft über das lecke Ventil. Zum Glück gehört ein funktionierender Kompressor zur Fahrzeugausrüstung und damit ist der Druck schnell wieder dort, wo er sein soll, 1.6 bar für sandige Strecken.


Ankunft im Elefantenland
Über die Tiefsandpiste fahren wir weiter zum Nxai Pan South Camp. Kaum angekommen, stehen wir bereits vor einem kleinen Wasserloch mit sieben grossen Elefantenbullen. Etwas später, wir hatten gerade unser Camp eingerichtet, marschierten die Riesen an uns vorbei.
Das South Camp hat saubere und elefantensichere Duschen und WCs, darauf haben wir uns schon gefreut. Nach einer warmen Dusche fühlen wir uns wie neu geboren und sind bereit für den Game Drive. Wir fahren in Richtung Wasserloch und scannen die Umgebung mit dem Feldstecher. Da ausser Elefanten nicht sehr viel zu sehen ist, fahren wir direkt ans Wasserloch. Bei dieser extremen Trockenheit werden früher oder später alle Tiere dort erscheinen.

Den ganzen Nachmittag sehen wir entweder Elefanten oder Giraffen, Strausse, Springböcke oder Perlhühner. Das friedliche Kommen und Gehen beobachten wir stundenlang, ohne dass es langweilig wird.




Durch andere Safari-Fahrzeuge wurden wir auf einen jungen männlichen Löwen aufmerksam. Er sass weit entfernt im hohen Gras und beobachtete das Geschehen am Wasserloch. Wir waren sicher, dass er zum Trinken kommt, also warteten wir. Die Regel in den Nationalparks ist so, dass man bei Sonnenuntergang wieder im Camp sein muss. Die Sonne war weg und inzwischen standen auch zwei Ranger mit ihrem Auto auf dem Platz und es blieb uns nichts anderes übrig, als ins Camp zurückzufahren. Wir waren sicher, dass wir noch viele männliche Kalahari-Löwen sehen werden. Das sollte leider nicht so kommen. Wir sahen später nur noch Löwinnen, zwar ganz nah, aber Männchen haben wir keine mehr gesehen. Das ist eigentlich fast nicht möglich in Botswana. Jedes Mal ist es anders.
Vögel dominieren das Wasserloch
Am nächsten Morgen fuhren wir kurz nach Sonnenaufgang nochmals ans Wasserloch, mit der Hoffnung auf Löwen. Bei unserer Ankunft war gerade eine Gruppe Strausse am Trinken.

Kurz nach 08:00 Uhr galoppieren Dutzende von Gnus ans Wasserloch. Im Gegensatz zu den anderen Tieren, die sich vorsichtig dem Wasser nähern, rennen die Gnus mit wilden Bewegungen und Tönen zum lebenswichtigen Wasser. «Achtung, alle zur Seite, jetzt kommen wir.»

Um 09:00 Uhr verabschieden wir uns von diesem spannenden Wasserloch und fahren zum Parkgate. Es ist bereits wieder so heiss, dass wir die Klimaanlage brauchen. Unglaublich, um 06:00 Uhr heute Morgen war es nur 6°C und wir haben die Heizung eingestellt, um nicht zu frieren.
Am Gate kommen unsere Kompressoren wieder zum Einsatz, da wir die nächsten Kilometer wieder auf Teerstrasse zurücklegen. An die vor uns liegende Strasse hatten wir ganz schlechte Erinnerungen. Ein Jahr zuvor war die Strasse in einem miserablen Zustand. Es hatte so viele Schlaglöcher, dass wir zeitweise nur mit 20km/h unterwegs waren. Überraschend und mit grosser Freude stellten wir fest, dass die ganze Strecke bis Maun wieder in bestem Zustand ist, teilweise total neu geteert. Entsprechend schnell erreichten wir gegen Mittag die Safari-Hauptstadt Maun. Im Spar arbeiteten wir unsere Einkaufsliste ab und füllten die Dieseltanks auf. Kurz vor 15:00 Uhr erreichten wir die Thamalakane River Lodge und bezogen die schönen Chalets 13 und 14.
Nach mehreren Tagen in der Wildnis waren wir wieder online. Unseren Lieben zu Hause konnten wir ein Lebenszeichen mit Fotos senden. Wir genossen die Dusche, den feinen Apéro und das üppige Abendessen.
Die Thamalakane River Lodge liegt – wie es der Name schon sagt – an einem Fluss. Dieses Jahr war leider kein Tropfen Wasser zu sehen. Die Regenzeit in den Bergen von Angola im Januar bis März 2019 war so gering, dass es das Wasser nicht bis Maun geschafft hat. Das ganze Okavango-Delta war für diese Jahreszeit viel zu trocken. Die Rede ist von einer Jahrhundertdürre. Was noch alles passiert bis zum nächsten Regen darf man sich gar nicht vorstellen.
Auf der Seite der African Guide Academy ist eine Animation zu sehen, welche den Pegelstand der Okavango-Flut von 2013 bis 2019 zeigt.
Weitere Fotos sind in der Nxai-Pan-Galerie zu finden.
Doris hat ein Video zu unserer Selbstfahrer-Safari erstellt und auf Youtube veröffentlicht.
2 Comments
Hallo Herbert, schöne Berichte und sehr stimmungsvolle Bilder! Bei kalten Nächten die Kleider zu den Füssen im Schlafsack, das erleichtert das Aufstehen merklich 😊 liebe Grüsse aus Kasane Reto&Daniela
Hallo Reto, besten Dank für dein Feedback. Ja genau, Kleider in den Schlafsack, das ist die Lösung.
Geniesst weiterhin eure Reise. Es war schön, euch in Kasane zu treffen.
Herzliche Grüsse aus der herbstlichen Schweiz
Herbert