Kurz vor Ankunft der grossen Gnu-Herden in der Masai Mara erlebten wir in der Nähe des Sand Rivers einen spannenden Löwenkampf.
Freitag, 19. Juni 2015: Ankunft im Camp
Zur Mittagszeit erreichten wir bei starkem Regen das Sand River Camp am gleichnamigen Fluss. Das Camp liegt im Masa Mara National Reserve nahe an der Grenze zu Tansania. Francis, unser Guide und Fahrer von Sunworld, unternahm mit uns nach dem Regen einen Nachmittags Game Drive. Auf der anderen Seite des Sand Rivers grasten Tausende von Gnus, die jährlich von der Serengeti in die Masai Mara migrieren. In einigen Tagen werden sie den Fluss überqueren und dann wird der Tisch für die Löwen wieder reich gedeckt sein.

Während des Abendessens erzählte uns der Camp-Manager, dass einer seiner Guides ein Löwenpaar auf Hochzeitsreise gesehen habe. Unser Plan für den nächsten Tag war somit klar, wir wollten diese Löwen suchen
Samstag, 20. Juni 2015: Wir finden die Löwen
Bei Sonnenaufgang um 6:30 Uhr starteten wir in die Richtung, wo die Löwen gesichtet wurden. Eine Stunde später fanden wir sie, Herr Löwe lag auf einem grossen Stein in der Morgensonne und Frau Löwin auf einem Baum, was für Löwen eher ungewöhnlich ist. Kurz darauf kletterte sie vom schützenden Baum herunter und marschierte in Richtung einer Felsformation. In der Serengeti heissen diese Felshügel „Kopjes“. Mit geringem Abstand folgte ihr der Löwe und sie paarten sich mehrmals auf dem Felsen.

Gegen 11:00 Uhr wurde es sehr warm, die Löwen waren müde und gönnten sich ein Nickerchen. Wir waren inzwischen hungrig und genossen im Schatten einer Schirmakazie ein verspätetes Frühstück. Glücklich über diesen produktiven Vormittag fuhren wir zurück ins Camp. Der Nachmittag war wieder den Gnuherden entlang des Sand Rivers gewidmet.
Sonntag, 21. Juni 2015: Ein Kampf bahnt sich an
Während der Nacht hörten wir rund ums Camp Löwen brüllen. Das konnten aber nicht die Löwen vom Vortag sein, da sie auf der Hochzeitsreise nicht weit wandern. Schon 200 Meter vom Camp entfernt fanden wir zwei Löwenmännchen, die fleissig am Markieren waren. Der neue Safaritag konnte fast nicht besser beginnen. Beim Beobachten der Gnus und den Interaktionen zwischen den Tieren verging die Zeit viel zu schnell. Um 17:00 Uhr entschieden wir uns, nochmals das Löwenpaar bei den Kopjes zu suchen. Als wir sie rund eine Stunde später wieder fanden, standen sie beim Baum, wo wir sie gestern zum ersten Mal sahen. Die Löwin kletterte wieder auf den Baum. Er wusste vermutlich, dass er zu schwer war, um ihr zu folgen. Warum stieg sie auf den Baum? Wollte sie mehr Übersicht, denn das Gras war nach der ergiebigen Regenzeit sehr hoch? Wollte sie sich vor den Fliegen schützen, oder einfach Ruhe vor ihrem Liebhaber? Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass bereits eine andere Löwin oben im Baum lag. Erst als wir zu Hause die Bilder und Videos kontrollierten, realisierten wir die zweite Löwin.

Der Löwe legte sich einige Schritte vom Baum entfernt ins hohe Gras. Etwa 10 Minuten später erschien plötzlich ein zweiter stattlicher Löwe hoch oben auf dem Felsen. Er legte sich hin, beobachtete die Situation und hatte nur noch Augen für die beiden Löwinnen. Eine von ihnen war offensichtlich sehr interessiert am Eindringling. Man hatte wirklich den Eindruck, dass sie sich schöne Augen machten. Die Löwin war jedoch sehr verunsichert. Sie schaute in Richtung des attraktiven Männchens, dann aber auch in Richtung des schlafenden Löwen im Gras. Anhand der Gesichtszeichnung konnten wir zu Hause feststellen, dass es sich um die Löwin handelte, welche bereits auf dem Baum war, als wir ankamen. Es war also nicht diejenige, die mit dem schlafenden Löwen auf Hochzeitsreise war, sondern vermutlich ihre Schwester.
Nach weiteren wechselnden Blicken stieg die Löwin vom Baum herunter und lief in Richtung des Eindringlings. Er kam ihr freudig entgegen. Der Chef des Platzes fand das gar nicht gut und der friedlich schlafende Löwe mutierte innert Sekunden zu einem gefährlichen Raubtier. Er rannte mit voller Geschwindigkeit dem Weibchen hinterher und prallte auf den Eindringling.
Das Brüllen der beiden Löwen war extrem laut, furchteinflössend und ging durch Mark und Bein. Doris und ich waren hinterher selber erstaunt, dass wir noch in der Lage waren zu filmen und fotografieren.
Die Löwin rannte so schnell sie konnte über den Felsen davon. Löwinnen sind in der Regel sehr loyal gegenüber ihrem Rudel. Deshalb vermuten wir, dass es sich bei dem Eindringling um einen Verwandten, oder sogar um einen Bruder des Chefs gehandelt hat. Dafür spricht auch, dass der Kampf nur kurz und ohne Blutvergiessen verlief. Ein Löwenkampf unter fremden Löwen kann sehr heftig sein und endet nicht selten mit dem Tod des einen.
Der Eindringling verschwand über denselben Felsen wie die flüchtende Löwin. Ob sie sich danach gefunden haben wissen wir nicht, da es inzwischen dunkel war und wir zurück zum Camp fahren mussten. Wir hofften natürlich auf ein Happy End.
Video und Fotos zum Löwenkampf
Bilder zum Löwenkampf
Das Video von Doris auf youtube mit über 1’00’000 Aufrufen
2 Comments
Super Szenen, super Bilder, super Video ;-)). Gratulation!
Herzlichen Dank Doris